Die Eins-zu-eins-Betreuung am Universitätsklinikum Wiener Neustadt ist eine besonders intensive Form der Nachtbetreuung: Eine Betreuungsperson widmet sich ausschließlich einer Patientin oder einem Patienten mit erhöhtem Aufsichtsbedarf. Teilnehmen können Studierende ab dem zweiten Semester, Pflegefachassistentinnen und Pflegefachassistenten, Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten, Pflegepersonen im Ruhestand und Medizinstudierende ab dem vierten Semester. So verbinden die Betreuerinnen und Betreuer praxisnahes Lernen mit der Möglichkeit eines Zuverdienstes.
Pilotprojekt der NÖ Landesgesundheitsagentur
Als Teil eines Pilotprojekts der NÖ Landesgesundheitsagentur wurde die Maßnahme im Universitätsklinikum Wiener Neustadt eingeführt, um Pflegekräfte im Umgang mit Patientinnen und Patienten mit Demenz oder akutem Delir (plötzlicher Verwirrtheitszustand der durch Störungen von Aufmerksamkeit, Bewusstsein und kognitiven Funktionen gekennzeichnet ist) zu entlasten. „Die Eins-zu-eins-Betreuung ist eine zusätzliche, nicht pharmakologische Maßnahme, die Sicherheit schafft, Pflegepersonal entlastet und die Nachtruhe der Mitpatientinnen und Mitpatienten verbessert“, erklärt Stationsleiterin DGKP Ines Zaglitsch. Patientinnen und Patienten erleben mehr Ruhe und Geborgenheit, Pflegekräfte können sich stärker auf andere Aufgaben konzentrieren.
Betreuung mit Verantwortung und Menschlichkeit
Sophie Glieber, Auszubildende an der Fachhochschule Wiener Neustadt, ist eine der ersten Eins-zu-eins-Betreuerinnen am Klinikum. Sie fand in diesem Modell die ideale Kombination aus Praxis und Flexibilität: „Ich kann meine Dienste frei einteilen und gleichzeitig meine Beobachtungs- und Kommunikationsfähigkeiten erweitern. In der Eins-zu-eins-Betreuung bin ich ausschließlich für eine Patientin oder einen Patienten zuständig – ich begleite, beobachte und unterstütze, führe jedoch keine pflegerischen Maßnahmen durch.“
Besonders prägend war ein Nachtdienst mit einer Patientin, die kein Deutsch sprach: „Mit Hilfe einer Übersetzer-App am Handy konnte ich die Sprachbarriere überwinden und sie beruhigen – so etwas ist im normalen Stationsalltag kaum möglich.“
Zukunftsperspektiven
Für die Zukunft plant das Universitätsklinikum Wiener Neustadt, das Team der Eins-zu-eins-Betreuung auszubauen, um möglichst alle Nachtdienste abzudecken. Weitere Berufsgruppen, etwa Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten, sollen künftig eingebunden werden. Außerdem ist eine Ausweitung des Projekts auf das Universitätsklinikum Hochegg bereits angedacht.
„Gerade für Medizinstudierende und angehende Pflegekräfte ist die Eins-zu-eins-Betreuung eine wertvolle Erfahrung. Sie lernen, Patientinnen und Patienten ganzheitlich wahrzunehmen und erhalten tiefe Einblicke in Pflegeprozesse und menschliche Bedürfnisse“, betont DGKP Claudia Mathae, Bereichsleiterin des Universitätsklinikums Wiener Neustadt.
„Spitzenpflege braucht Zeit“
„Ich bin stolz darauf, dass wir mit der Eins-zu-eins-Betreuung einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität des Pflegeberufs leisten“, betont Pflegedirektorin Dipl. KH-BW DGKP Christa Grosz, MBA, MBA. „Spitzenpflege braucht Zeit – und genau diese Zeit schaffen wir durch das Modell, insbesondere in der herausfordernden Nachtarbeit. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass besonders betreuungsintensive Patientinnen und Patienten genau jene Aufmerksamkeit erhalten, die sie in diesem Moment brauchen.“
BILDTEXT
Foto: Setzen sich für die Eins-zu-eins-Betreuung am Universitätsklinikum Wiener Neustadt ein (v.l.n.r.): Bereichsleiterin DGKP Claudia Mathae mit Stationsleiterin DGKP Ines Zaglitsch.
Fotocredit: Universitätsklinikum Wiener Neustadt
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„Bewusst Zeit widmen, Sicherheit geben“: Eins-zu-eins-Betreuung am Universitätsklinikum Wiener Neustadt

Setzen sich für die Eins-zu-eins-Betreuung am Universitätsklinikum Wiener Neustadt ein (v.l.n.r.): Bereichsleiterin DGKP Claudia Mathae mit Stationsleiterin DGKP Ines Zaglitsch.